Tragschichten für Bulttorfmoosen
Erforschung und Entwicklung von Tragschichten für Bulttorfmoose
Projektlaufzeit: 2021 – 2024
Projektträgerin: Stiftung Lebensraum Moor
Projektpartner: Gramoflor GmbH & Co. KG
Ausgehend von den eigenen langjährigen Renaturierungserfahrungen und inspiriert von den in den Forschungsprojekten hinzugewonnenen Erkenntnissen intensivierten die Stiftung Lebensraum und Gramoflor ab 2021 ihre Bemühungen um eine im großräumigen Maßstab praktikable und wirtschaftlich darstellbare Hochmoorentwicklung auf ihren eigenen Renaturierungsflächen. Als ein Schlüsselelement hierfür definierten sie die Schaffung von schwimmfähigen robusten Tragschichten, auf denen die in „Bulten“ über den Wasserstand hinauswachsenden Bulttorfmoose sich verankern und widrigen Standortbedingungen wie Wasserstandschwankungen, Nährstoffeinträgen und Lichtmangel besser standhalten können. In natürlichen, über die Jahrhunderte gewachsenen Hochmooren wird diese Tragschicht von Schlenkentorfmoosen und Wollgräsern gebildet, die als sogenannte Pionierpflanzen auf den Wasserflächen flotieren oder eine Art durchgehenden Schwingrasen bilden.
Vor dem Hintergrund zunehmender Wetterextreme aufgrund des Klimawandels wird der zeitliche Faktor mit dafür ausschlaggebend sein, ob die Entwicklung von Hochmooren gelingt. Neben der Auswahl geeigneter Bulttorfmoosarten und Standorte muss ein optimales und stabiles Umgebungsmilieu geschaffen und gefördert werden, damit die für das Hochmoorwachstum wesentlichen Bulttorfmoose überleben können.
In einem an die bisherigen Forschungen anschließenden Projekt wollten die Stiftung
Lebensraum Moor und Gramoflor untersuchen, wie die Gegebenheiten natürlicher
Schwingrasen beschaffen sein müssen, damit die ausgebrachten Bulttorfmoose sich
optimal entwickeln. Parallel dazu sollten Tragschichten entwickelt werden, die im
Bedarfsfall einen natürlichen Schwingrasen ersetzen können. So sollte der sensiblen
hochmoortypischen Vegetation die Ausbreitung erleichtert und die Entwicklung intakter
Hochmoorökosysteme im großräumigen Maßstab ermöglicht werden. Für eine zeitnahe und wirtschaftliche Lösungsfindung wurde auf finanzielle Fördermittel und die Einbindung einer wissenschaftlichen Institution als Projektpartner verzichtet. Die Datenerfassung und -auswertung wurde dabei von versierten Praktikern durchgeführt und von ausgewiesenen Fachleuten kontrollierend begleitet, um nachvollziehbare und wissenschaftlich haltbare Ergebnisse sicherzustellen.
Die Nachbildung einer Tragschicht erwies sich jedoch als schwierig. Sämtliche getesteten Materialien, darunter Torffasern, gaben zwar genügend Auftrieb, verdrifteten über einen längeren Zeitraum betrachtet aber durch die Witterungseinflüsse in den offenen Wasserflächen und verloren dadurch an Tragfähigkeit. Auf Flächen, die nicht bereits über eine Pflanzendecke oder einen geschlossenen Schwingrasen verfügten, schuf das Projektteam daraufhin Strukturen mithilfe von Torfstegen, Baumstubben, Grashorsten und ähnlichen natürlich vorkommenden Materialen. Auf diesen kleinen Inseln wurden die Bulttorfmoose sodann platziert. Ein temporärer Überstau der nahe an der Wasseroberfläche liegenden Horsten außerhalb der Vegetationsphase zeigte sich dabei nicht als schädlich für die weitere Entwicklung der Bulttorfmoose. Das Projekt kam zu dem Schluss: Dauerhaft optimale Wachstumsbedingungen für Bulttorfmoose bestehen vor allem auf natürlich gewachsenen Schwingrasen. Mithilfe natürlich geschaffener Strukturen und Inseln kann die Etablierung von Bulttorfmoosen jedoch deutlich unterstützt und das Moorwachstum somit beschleunigt werden.





