Vermehrung von Bulttorfmoosen

Entwicklung und Erprobung von Verfahren zur Etablierung von Bulttorfmoosen in wiedervernässten Hochmooren nach Abtorfung

Projektlaufzeit: 2015 – 2019
Gefördert durch: Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Projektträgerin: Stiftung Lebensraum Moor
Projektpartner: Gramoflor GmbH & Co. KG und Institut für Landschaftsökologie (ILök) Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Seit den 1980er Jahren werden in Nordwestdeutschland Torfabbauflächen nach Beendigung der Bewirtschaftung wiedervernässt. Das Ziel der Wiederherstellung einer hochmoortypischen Vegetation und der damit verbundenen Ökosystemfunktionen wurde in der Mehrzahl der Fälle nicht erreicht. Gründe dafür sind der Mangel an Diasporen und die begrenzte Ausbreitung hochmoortypischer Arten.

Dennoch stellen die in den vergangenen 40 Jahren wiedervernässten Torfabbauflächen ein großes naturschutzfachliches Potential dar. Die hydrologischen und biogeochemischen Voraussetzungen sind in vielen Fällen vergleichsweise günstig. Der ausbleibende Erfolg dieser frühen Renaturierungsbemühungen und das zunehmende Bewusstsein für die Bedeutung von Mooren für den Klima- und Naturschutz waren 2015 Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Lebensraum Moor, Gramoflor und der Universität Münster. Dabei legten die Projektpartner ihr Augenmerk vor allem auf die Etablierung von Bulttorfmoosen als dem zentralen Element für die Entwicklung von Hochmooren. Ziel der Partnerschaft war es herauszufinden, welche Faktoren die erfolgreiche Wiederansiedlung dieser Schlüsselpflanze in wiedervernässten Mooren fördern. Durch die Forschungserkenntnisse hofften die Projektpartner die damalige Renaturierungspraxis optimieren und das Moorwachstum aktiv beschleunigen zu können.

Das Projekt konzentrierte sich im ersten Schritt auf die Vermehrung der begrenzt vorhandenen Bulttorfmoose aus regionaler Herkunft, um später ausreichend Spendermaterial für die Etablierung im Freiland zu bekommen. Im Anschluss wurden repräsentative Wiedervernässungsflächen, die sich hinsichtlich Alter, Abbauverfahren und Vornutzung unterschieden, vegetationskundlich, hydrologisch und biogeochemisch charakterisiert und ein langfristiges Monitoring etabliert. Aus der vergleichenden Analyse von Bulttorfmoos-Etablierungserfolg und Umweltdaten ließen sich die erfolgversprechendsten Flächen identifizieren und verallgemeinerbare Aussagen zur erfolgreichen Wiederansiedlung von Bulttorfmoosen ableiten. Beispielhaft wurden dann auf Flächen mit guten Erfolgsaussichten Bulttorfmoose in größerem Maßstab entsprechend der Menge des zur Verfügung stehenden Spendermaterials ausgebracht.

Die Ergebnisse wurden 2019 in Form eines ersten Praxisleitfadens für Akteure des Moorschutzes zusammengefasst (Leitfaden zur Torfmoosvermehrung für Renaturierungszwecke, Hrsg. Deutsche Bundesstiftung Umwelt).